"Wie soll das denn gehen? Ist der jetzt total bekloppt?" wird jetzt wohl der eine oder andere denken.
In Island ist alles möglich. Nicht nur das.
"Die haben einen Gletscher? 20 Meter über dem Meeresspiegel? Bei uns in Italien muss man dazu erstmal in die Berge fahren.", sagt Giampoalo aus Florenz und schaut mich verdutzt an.
Erstmal wach werden
Nach einem ausgiebigen Frühstück sitze ich mit meiner Zimmergenossin Claudia, die in Leipzig studiert, vor der Jugendherberge in Vik, streichele den Hund, genieße die frische Bergluft und beobachte die anderen Gäste, die hektisch ihre Autos beladen, weil sie irgendwelche touristischen Exkursionen gebucht haben und ja nicht zu spät kommen dürfen. Reisen - das bedeutet wohl für viele Menschen: den stressigen, "zerplanten" Alltag einfach mal an einem anderen Ort ablaufen zu lassen.
Andreas aus Dortmund, der mit seiner Famillie unterwegs war, verabschiedet sich von mir und bewundert meine Ruhe und Gelassenheit. Nach einer halben Stunde ist er schon wieder da. "Wir waren nur beim Supermarkt, meine Tante hat sich den Magen verstimmt.". Irgendetwas sagt mir, dass jetzt genau der richtige Zeitpunkt ist um aufzubrechen.
Der Aufbruch
Gemeinsam mit Claudia, die die Kirche besichtigen will, mache ich mich auf hinunter ins Dorf zur Ringstraße. Nach gerade einmal fünf Minuten hält ein Wagen - darin ein italienisches Pärchen aus Florenz. "Wir sind gerade in den Flitterwochen", erklärt mir Cecilia den Grund ihrer Reise. "Klasse! An so etwas wollte ich immer schonmal teilnehmen", erwidere ich fröhlich und springe zu den beiden ins Auto.
Obwohl ohnehin nur eine einzige Straße existiert, gibt Giampaolo die Etappenziele ihrer Tour in das Navigationssystem ein - man könnte ja aus Versehen vorbeifahren.
Totenstille auf dem Lavafeld
Unsere Tour führt uns zunächst durch eine Lavawüste: Auf der linken Seite in weiter Ferne sind Berge zu erkennen, es könnte aber auch eine bemalte Pappwand dort stehen, eine billige Hollywoodkulisse, meint Giampaolo scherzhaft, als wir anhalten und ein Stück ins Lavafeld laufen. Irgendwo rechts von unserer Straße muss das Meer sein - irgendwo.
Es herrscht Totenstille, kein Rauschen des Windes, kein Rascheln, kein Vogelgezwitscher, kein summendes Insekt. Unheimlich.
Auch die Pflanzenwelt zeigt keine besonders große Präsenz: Nur ab und an schauen ein paar dickblättrige Pflanzen zwischen dem Geröll hervor. Für Giampaolo ein Problem: Es gibt keinen Busch, hinter dem er schnell verschwinden kann, um einem "gewissen Bedürfnis" nachzugehen. Da die "Autobahn Nr. 1" aber so wenig befahren ist, dass ich mich mitten auf die Straße legen kann, um ein wenig zu entspannen, ist es nicht so dramatisch, dass er kein geeignetes Versteck gefunden hat.
Auf unserer weiteren Fahrt begegnen wir einigen Geröllhaufen, die schroffe und bizarren Formationen aufweisen. Ideal zum Herumkraxeln und als Fotomotiv. Ich werde selbstverständlich als Hochzeitsfotograf engagiert.
Spektakuläre Polarwelt am Gletscher
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Angekommen in Jökulsárlón müssen wir das Fahrzeug wechseln: wir besteigen ein Amphibienfahrzeug, mit dem wir eine atemberaubende Bootsfahrt zwischen Eisbergen in allen erdenklichen Formen und Größen unternehmen. Unsere Begleiterin fischt einen überdurchschnittlich großen Eiswürfel (siehe Foto) aus dem Wasser und bringt uns die Geschichte des Gletschers ein bisschen näher, bevor jeder Passagier die Gelgenheit bekommt, knapp 1200 Jahre altes Eis zu kosten. Für mich als Laie schmeckt es allderings wie die selbst hergestellten Eiswürfel aus dem Gefriefach unseres Kühlschranks.
Kosten für diesen Touristen-Gaudi: 2400 ISK
Impressionen







