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Home Länder und Geschichten Neuseeland Der Queen Charlotte Track: 71km zu Fuß

Der Queen Charlotte Track: 71km zu Fuß

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Der etwa 67 km lange Queen Charlotte Track ist einer der populärsten Wanderwege auf der Südinsel, er ist jedoch schon Ende März nicht mehr überlaufen. Meist durchquert man dichten Busch, ab und an lichtet sich der Wald allerdings und man hat ein wunderschönes Panorama über die Marlborough Sounds. Hin und wieder trifft man an einem der zahlreichen einsamen Strände und Buchten auch den ein oder anderen Weggefährten, der ebenfalls in der Sonne neue Energie tankt.

 1. Tag (Dienstag):

Um 6.15 Uhr klingelt der Wecker. In Windeseile schleppe ich meinen Rucksack und die "Fresstüten" aus dem Zimmer auf den Flur, um meine "Mitbewohnerin" nicht aus dem Schlaf zu reißen. Um 7.30 muss ich am Bootsanleger von Picton sein. Nach einer schnellen Dusche und einem Frühstück, das alles andere als gemütlich ist, schaffe ich es sogar, um 7.40 beim Boot zu sein. Es nimmt mich und einen Haufen gutgelaunter deutscher Urlauber, die sich über die morgendliche Kälte beklagen, mit hinaus auf den Queen Charlotte Sound.  Der Startpunkt des Wanderweges, "Ship's Cove" genannt, ist nämlich nur über das Wasser zu erreichen.

Dort angekommen, trete ich sofort die gut 15km Fußmarsch Richtung Endevour Bay Inlet an, hauptsächlich um den Urlaubern zu entkommen und den Wald in Ruhe zu genießen.

Ziel ist heute das Endevour Resort, das aus ein paar Hütten auf einer Lichtung und einem Bootsanleger besteht. Hier komme ich in einem gemütlichen Gartenhaus mit eigener Küche unter, das ich die nächsten zwei Tage für mich allein haben werde, obwohl Platz für sechs Rucksackreisende gewesen wäre.

Mein Gepäck wartet dort bereits auf mich, es wurde von  "Cougar Line" per Boot direkt zu meiner Unterkunft gebracht. Wenn ich weiterreise, muss ich es mit dem Namen meiner nächsten Unterkunft versehen nur wieder zum Anleger bringen.

 

2. Tag (Mittwoch):

Den zweiten Tag verbringe ich ebenfalls im Endevour Resort, und zwar die meiste Zeit auf dem Wasser, denn hier gibt es kostenlose Kayaks, mit denen ich den Queen Charlotte Sound aus einer ganz anderen Persepektive erkunden kann. Nur mit dem Boot gelange ich in zu kleinen, ruhigen Buchten und Stränden - einige davon felsig und schroff, andere mit langem, flachem Sandstrand. Der Zugang auf dem Landweg ist hier meist gar nicht möglich, da diese Plätze von dichtem Urwald umgeben sind - man müsste sich schon mit einer Sense durchschlagen.

Am Abend unternehme ich eine Wanderung im Busch zu einem eher unspektakulären Wasserfall, bevor ich mir dann meinen aus Picton mitgebrachten Reis koche, den ich mit fertiger Tomatensoße verzehre. Einen Supermarkt gibt es erst wieder am Sonntag, wenn ich zurück in Picton bin.

 

3. Tag (Donnerstag)

Der Wecker klingelt um 7.15, denn um spätestens neun Uhr muss mein Gepäck am Anleger zur Abholung bereit sein. Heute stehen mir gute 13km Wanderung bevor. Ziel ist "Noeline's Homestay", eine Pension, die laut Reiseführer von einer über siebzig Jahre alten Dame betrieben wird. Als ich ankomme, hat die "universelle Großmutter" schon selbst gebackene Scones vorbereitet und kocht mir einen Kaffee, während ihr Hund mich ableckt. Ihm fallen auch meine Schokokekse und ein eh schon lädiertes Paar Socken zum Opfer.

Später am Abend erzählt Noeline mir und den andren zwei (natürlich deutschen) Gästen, wie es dazu kam, dass sie Betten für Rucksackreisende anbietet. Der Queen Charlotte Track wurde vor gut 15 Jahren eröffnet - ziemlich genau drei Wochen nach dem Tod ihres Mannes. Sie war damals 63 Jahre, er starb bereits mit 65. Das Touristenbüro rief sie an und fragte, ob sie nicht Unterkunft für Wanderer anbieten könne - am neu eröffneten Weg gab es nämlich noch keine Betten. Sie hatte verständlicherweise gerade andere Sorgen und bat um etwas Zeit, darüber nachzudenken. Mit der Zeit häuften sich bei ihr Anrufe, ob sie nicht diesen oder jenen unterbringen könnte, jemand sagte ihr am Telefon, er hätte gehört, sie würde Schlafplätze für Backpacker anbieten - sie antwortete stumpf  "Naja, ich denke zumindest darüber nach." Aber bereits acht Wochen nach dem Tod ihres Ehemannes empfing sie die ersten Gäste in ihrem gemütlichen, kleinen Haus. "Wisst ihr, ich habe keine Famillie. Keine Enkelkinder. Freunde hier und da, aber die sterben einer nach dem anderen. Naja, so ist das, wenn man auf die Achtzig zugeht", erzählt die rüstige alte Dame, bevor sie uns von ihren Abenteuern in Mexiko und Kuba berichtet, wo ihr gesamtes Gepäck verloren ging. Für diesen Winter hat Noeline sich eine Reise nach Madagaskar vorgenommen, falls es die politischen Verhältnisse dort zulassen.

 

4. Tag (Freitag):

Nach vier Scheiben Toast mit Honig (das ist alles, was ich für's Frühstück habe) und einem Kaffee geht es nach zwei Küsschen von Oma Noeline auf die härteste Etappe des Weges - 23km am Stück Richtung Portage, wo ich im "Treetops Backpackers" übernachte. Im Prinzip ist das eine schicke Ferienwohnung, in der fünf Leute Platz finden. Langsam kehre ich wieder zur Zivilisation zurück - denn hier gibt es erstmalig wieder Mobilfunk und sogar einen kleinen Laden. Ich kaufe mir Joghurt, Milch, ein Frühstücksei, Saft und ein Eis. Auch wenn es 15 Dollar kostet. Wenn man vier Tage ständig das Gleiche isst, ist einem irgendwann alles egal.

 

5. Tag (Samstag)

Heute stehen mir nur 8 km bevor bis Mistletoe Bay, die ich relativ schnell hinter mich bringe. Ich schlafe alleine in einem miefigen Gartenhaus, muss den Salzstreuer auseinander nehmen und das Öl, das ich zum Kochen meiner Nudeln brauche, durch uralte Margarine ersetzen, die ich im Kühlschrank finde. Nachdem ich mein Gepäck vom Anleger geholt habe, verlasse ich das Haus nicht mehr und lege mich um 19 Uhr ins Bett.

 

6. Tag (Sonntag)

Ausnahmsweise gibt es heute Toast mit Erdbeermarmelade, die meine Vormieter offensichtlich im Kühlschrank zurückgelassen haben. Wenigstens etwas Variation, bevor ich mich dann durch den Wald zurück zum Queen Charlotte Track schlage. Die letzten 12 km stehen mir bevor - und ich bringe sie erstaunlich schnell hinter mich, wahrscheinlich wegen der Vorfreude, bald wieder zurück in der Zivilisation zu sein.

 

Fazit: Diese Tour war kein kulinatischer Hcohgenuss, meine Schultern tun weh, ein paar Socken verloren und eine meiner Jeanshosen hat ein tellergroßes Loch am Allerwertesten.

Die spektakulären Landschaften, die der Queen Charlotte Track durchquert, sind eigentlich schon Grund genug, diesen Wanderweg weiterzuempfehlen - zudem ist es ein wunderbares Gefühl, 71 km Fußmarsch erfolgreich hinter sich gebracht zu haben, auch wenn es manchmal hart war.

 

 

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