"Vorsicht, es ist ziemlich rutschig hier", höre ich jemanden mit amerikanischem Akzent sagen. Zuerst erblicke ich einen Wischmob, dann zwei Beine in einer Jeanshose und schließlich steht der Urheber dieser fürsorglichen Warnung vor mir: Ein großer, blonder Lockenkopf reicht mir seine Hand und stellt sich vor. Aus New York ist er, sein Vater wohnt zur Zeit in Prag und er putzt in der günstigsten Jugendherberge der westukrainischen Stadt Lemberg, um sich umgerechnet 6 Euro für ein Bett zu sparen. Wohin er als nächstes geht, das weiß er noch nicht.
Nicht nur das frisch renovierte "Hotel Sun" im Shevchenko-Prospekt Nr. 16 wirkt mit seiner warmen, familiären Atmosphäre einladend - auch die 1998 zum UNESCO-Welterbe erkärte Lemberger Altstadt enttäuscht nicht: Wer - gestärkt mit ein bisschen Kuchen oder Gebäck aus einem der zahlreichen kleinen "Tante-Emma-Läden" - über das Kopfsteipflaster durch die engen Gassen des historischen Zentrums schlendert, auf den Boulevards flaniert oder den Aufstieg zum ehemaligen Schlossberg wagt, um einen wunderbaren Ausblick über die Stadt zu genießen, der fühlt sich in eine andere Zeit versetzt.
"Es ist wie früher, wie in den 1950er Jahren!", schwärmt ein Ehepaar aus Zwickau, das ich in der Straßenbahn treffe, als die Schaffnerin zu uns kommt und uns kleine Papierschnipsel verkauft, die man dann in an der Wand installierten mechanischen Lochern nahezu zerfetzt.
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