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Grenzwertig: Der ukrainische Zoll

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"Ich spreche Russisch, Ukrainisch und Polnisch", bäumt sich die Zollbeamtin vor mir auf "Und du sprichst mich auf Englisch an! Kannst du keine dieser Sprachen?", knurrt sie unfreundlich auf Russisch. Natürlich verstehe ich kein Wort, zucke mit den Schultern und halte ihr meinen deutschen Pass unter die Nase - das scheint zu wirken. Entnervt deutet Sie mit einem Wink an, dass ich weitergehen soll, weil sie keine Lust hat, mein Gepäck zu kontrollieren.

Wer in die Ukraine einreisen oder aus der Ukraine ausreisen will, muss 1-2 Stunden Zeit einplanen für die Grenzkontrolle. Auf meiner Reise im Juni 2008 habe ich zweimal den polnisch-ukrainischen Grenzübergang nahe des polnischen Dorfes "Medyka" (etwa 20 Minuten mit dem Bus von Przemysl, etwa 90 Minuten mit der Marshrutk, dem Minibus, vom Lemberger Hauptbahnhof) passiert.

Ganz bequem mit dem Bus von Bahnhof in Przemysl nach Lemberg

Wer es einfach und relativ stressfrei mag, der nimmt einen durchgehenden Bus von Przemysl nach Lemberg (Kostenpunkt: 20 PLN). Jeder muss bei der Einreise in die Ukraine eine "Immigration Card" vorlegen, die von den ukrainischen Beamten geprüft und abgestempelt wird. Zu Beginn der Fahrt verteilt der Busfahrer diese Papierschnipsel mit der Bitte um Ausfüllung (also unbedingt einen Stift mitbringen) - da ich aus Deutschland bin und er keine deutsche Karte hat, bekomme ich einfach gar keine, was die Grenzpolizei später ziemlich aufregt, weil es die Abfertigung verzögert. Man händigt mir dann eine englische Karte aus. Ich soll aufschreiben, wo ich übernachte. Da ich keine Ahnung habe, wo das sein wird, schreibe ich die nächstbeste Adresse eines Hotels aus meinem Reiseführer auf. Meine "Passport No." kann ich natürlich nicht eintragen, weil mein Pass schon eingesammelt wurde - was ich dem Busfahrer mit wilden Gesten und meinen zwei Brocken Polnisch dann auch endlich plausibel machen kann und was letzendlich dann auch die ukrainische  Grenzpolizei kapiert und widerwillig die Nummer nachträgt.

Etwas abenteuerlich: Zu Fuß über die Grenze

Auf der Rückreise Richtung Deutschland komme ich am Lemberger Hauptbahnhof mit dem Zug aus Kiew frühmorgens an und nehme die nächste Marshrutka (Minibus), die zu dem Zeitpunkt von Bussteig 5 fuhr Richtung Staatsgrenze - einfach den Fahrer nach "granica" (Grenze) fragen.

Nachdem ich geduldig eine Stunde mit einem Haufen Polen, die Plastiktüten mit billigen Zigaretten in der Hand hielten, auf den Einlass in das begehrte Häuschen mit der Aufschrift "Customs Control" gewartet habe, werde ich von der oben zitierten Zollbeamtin auf das freundlichste begrüßt. Offensichtlich hätte ich mit Gepäck den anderen Eingang benutzen müssen. Nachdem ich dann das bereits erwähnte Donnerwetter wegen meiner mangelnden Sprachkenntnisse unversehrt überstanden habe, darf ich mich bei der Passkontrolle anstellen.

Ein junger Pole hat seine Immigration Card, die man hier wieder abgeben muss, anscheinend verloren. Eine Tür öffnet sich, der junge Mann verschwindet im Büro der Zöllner, man hört wütendes Geschrei. Die Tür geht wieder auf,  der Mann darf weitergehen. Die Tür geht wieder auf und alle Wartenden werden angebrüllt und auf diese Art darauf aufmerksam gemacht, dass sie diese Immigration Card unbedingt vorweisen müssen.

Nachdem ich kontrolleirt worden bin, was ganz unspektakulär vonstatten ging, laufe ich einen halben Kilometer durchs Niemandsland, bis ich die polnische Grenzkontrolle erreiche, wo es freundlich und lustig zugeht.

"Ahh, Jorg....Guten Tag!", lacht der junge Polizist. Ich bin es gar nicht mehr gewohnt, dass man mit mir Deutsch spricht. "He he, Jorg! Dein Geburtsdatum?".  "Ähhm, das ist der 14.11.1986".  "Jaaa, sehr gut, Jorg. Auf Wiedersehen, Jorg. He he, gute Reise."

Weiter gehe ich zu einem anderen grinsenden Mann, der meinen Rucksack kontrolliert - die Kontrolle besteht daraus, dass er seine Hand einmal tief in meiner Schmutzwäsche versenkt und sofort feststellt, dass ich kein Schmuggler bin.

Geschafft - wieder in der europäischen Union!

 

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